Der 4 Millionen Euro Plopp

Flensburger Bügelflasche

Als ich mein erstes Auto hatte, einen VW Käfer, war ich stolz auf dieses Gefährt. Ecken und Kanten liebte und liebe ich schon immer. Es muß nicht alles perfekt sein.

Türgeräusch als Status

In der Firma auf dem Nachbarparkplatz parkte ein Mercedes. Der war unheimlich stolz auf sein perfektes Türgeräusch. Ein satter Klang und die Türe seines Autos war zu. Das war beim Käfer nicht so. Es war generell nicht garantiert dass die Türe zu war. Wollte man dieses Garantie haben, mußte man schon ordentlich zuhauen und das Geräusch war fern von einem satten Klang. Ich wußte sofort wenn ich eine Autotür hörte, ob es ein Käfer, ein Mercedes oder ein Opel war. Man konnte zwischen Vordertür, Hintertür oder Kofferraum leicht unterscheiden.

Die Mercedestür war damals Kult. Wer einen fuhr, ließ keine Gelegenheit aus um zu demonstrieren, wie eine Autotür zu klingen hat.

Geräusche einordnen als Überlebensstrategie

Geräusche sind archaischer Natur. Geräusche erkennen und einzuordnen gehört zur Überlebensstrategie des Menschen. Geräusche signalisieren Freund oder Feind, Flucht oder Angriff, harmlos oder gefährlich.

Wie wichtig Geräusche sind, kann man an Filmen gut beobachten. Spannung, Schrecken oder emotionale Momente werden durch Schreie, Laufgeräusche oder entsprechender Musik angesprochen und gekonnt hervorgerufen. Die meisten Filme dürften ohne diese bewußt gesetzten Geräusche eine ziemlich langweilige Folge von Bildern sein.

Aber auch in der Werbung wird mit Geräuschen gearbeitet. So gibt es immer wieder das gleiche rascheln der Tüte zum gleichen Produkt, das gleiche zischen wenn eine Flasche aufgedreht wird, das Geräusch und prikeln wenn Sekt präsentiert wird.

Die Autoindustrie beschäftigt Sounddesigner, die dafür sorgen dass unverkennbare und wertige Geräusche beim Auto entstehen.

Typisches Geräusch

Ein typisches Geräusch auf das man im Film warten kann, sogar vorhersagen kann ist der Schrei einer Krähe oder Raben. Geht es in einer Szene um Unheilvolles, Einsamkeit in der Natur oder zum Beispiel eine Beerdigungsszene, dann ist das „kräächz“ nicht weit. Auch typisch in Großstadtszenen sind Sirenengeräusche. Das soll Leben und Geschäftigkeit simulieren. So spielen Geräuschemacher mit alten Vorurteilen und gefestigten Bildern die in den Köpfen vorhanden sind.

Sounddesign beim Bier

Auch das Bier ist vom Sounddesign nicht verschont. Das berühmteste Geräusch in Zusammenhang mit Bier ist meiner Meinung nach das „Plopp“ des Flensburger Bügelflaschenbieres, kurz Flens genannt. Das Plopp mit dem anschließenden Nachgeräusch wenn der Bügelverschluß mit dem Keramikkopf an die Flasche knallt, verzückt ganze Horden von Biertrinkern. Es gibt zwar einige Hersteller, die Bier in Bügelflaschen ausliefern, doch keine Brauerei hat den „Plopp“ so kultiviert wie die Flensburger Brauerei.

4 Millionen für die Ploppforschung

Auch hier ist nichts dem Zufall überlassen. Das Geräusch beim öffnen der Flasche gehört schon zum Biergenuss. Bleibt dieses Geräusch aus, mindert sich der Genuss. Der Biertrinker fragt sich beim misslungenen Plopp, ob er eine alte Flasche Bier oder schlechtes Bier erworben hat. In Folge stellt er möglicherweise die ganze Brauerei in Frage.

So unrecht hätte der Biertrinker in diesem Falle nicht. Denn der Bügelverschluß bringt Probleme mit sich. Hauptproblem ist seine Dichtigkeit. Da hinkt der Bügelverschluß dem Kronkorken um Längen hinterher. Ein laues Plopp kann also durchaus ein laues Bier nach sich ziehen. Im Kopf tut es das jedenfalls.

Es ist also für die Flensburger Brauerei wichtig, dass immer ein sattes Plopp zu hören ist. Um den Plopp zu erforschen und stets erklingen zu lassen hat die Brauerei 4 Millionen Euro in die Forschung investiert. Das Land Schleswig-Holstein hat einen Teil der Ploppforschung mitfinanziert.

Herausgekommen ist ein etwas breiterer Keramikkopf, der einen gleichmäßigen Druck der Gummidichtung auf den Flaschenrand garantieren soll. Mit dieser Forschung ist es gelungen den mißratenen Plopp auf ca. 1-2% zu reduzieren. Vorher waren es ca. 10% bis 15%. Bis aber alle Flaschen auf den neuen Keramikkopf umgestellt sind, werden noch Jahre vergehen und der eine oder andere wird statt „Plopp“ ein „zisch“ hören.

Am billigsten wäre die Umstellung auf Kronkorken, langfristig wäre das meiner Meinung nach aber die teuerste Variante. Denn ohne Plopp fehlt ein Markenzeichen. Das wäre wie eine Mercedestür mit VW Käfer-Geräusch.

Roland Engert

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4 Gedanken zu „Der 4 Millionen Euro Plopp

  1. da werde ich doch im Getränkemarkt gleich mal nach einem Flensburger Ausschau halten;-). Der Bierplopp ist wirklich einmalig und damals gab es viel mehr Flaschen mit diesem Bügelverschluss. Ob die nicht doch auch Flaschen mit Kronkorken haben? Das schaue ich mir mal an.

  2. Es gibt noch eine Menge Brauereien mit Bügelverschluß. Einige die sogar überregional vertreten sind. Das Problem ist der Gummi, der bei weitem nicht so dicht ist wie der Kronkorken.

    Ich trinke sehr wenig Bier – so 4-5 Bier im Jahr. Aber dann muß es ein gutes sein. Häufig lasse ich mir was regionales zuschicken aus dem Bekanntenkreis. Ab und an ist eine Bügelflasche dabei.

  3. Aaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhh das berühmte Plopp!!!!!!
    Ganz ehrlich, wer kennt das nicht?! Es ist leicht zuordenbar und ein Markenzeichen. So etwas lässt man nicht unter den tisch fallen. Es gibt viele solche sachen, seien es geräusche oder wie bei nivea creme der geruch, den vergißt du nie!

    marketin hin oder her… aber manchmal ist altbewehrtes doch noch am besten.

    aber wirklich klasse beitrag und eine echt interessante seite hast du hier. mach weiter so, es hat spaß gemacht zu lesen an diesem heißen mittwoch nachmittag und macht bock auf ein Flens *grins*

    Grüße aus Rhein Main

    claus

  4. Ich bin ja überhaupt kein Biertrinker, bzw. nur ganz wenig. Aber wenn es heiß ist, dann kommt mir auch oft Bier in den Sinn. Ein Prost – oder besser „gut plopp“ 🙂

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