Der Kekswahnsinn in Lüneburg geht weiter

Heute um 9:15 geht der Prozess um Kekse aus dem Container weiter.

Wie mehrfach berichtet, will die Staatsanwaltschaft in Lüneburg unbedingt eine Verurteilung und zieht alle Register. Die Verhältnismäßigkeit scheint mir hier lange nicht mehr gegeben. Der Prozess heute hat hohe mediale Aufmerksamkeit in Form von Kamerateams und viel Presse vor Ort.

Kurz zusammen gefaßt: Karsten Hilsen hat sich abgelaufene Kekse aus einem Container einer Konditorei geholt. Man nennt das containern. Containern ist in ganz Europa mehr oder weniger zulässig und gängiges Mittel um sich mit Lebensmittel zu versorgen. Containern gehört für einen Teil der Bevölkerung zur Überleben, obwohl ja immer noch behauptet wird, es gibt keine Armut in Deutschland. Oftmals wird containern auch als Kontrapunkt zur Wegwerfmentalität gesehen und ausgeübt.

Karsten Hilsen hat sich heute in den Kommentaren in diesem Bericht geäußert.
Karsten erwartet, hält es zumindest nicht für unwahrscheinlich, dass er heute wieder verhaftet wird.

Ich hoffe, man liest ihn hier nach dem heutigen Prozesstag. Die Daumen sind jedenfalls gedrückt. 🙂

Nachtrag: FREISPRUCH! (siehe auch Kommentar). Mehr auf dem Eichhörnchenblog.

Roland Engert

Danke fürs lesen. || Wenns gefallen hat würde ich mich über einen Klick bei Twitter, Facebook oder Google+ freuen. Der Lohn eines armen Bloggers sind Likes, G+ oder Netzgezwitscher. || In Bayern geboren, in Ostfriesland lebend.

4 Gedanken zu „Der Kekswahnsinn in Lüneburg geht weiter

  1. Moin,
    Also heute, (bzw Gestern) gabs ja mal keine Verhaftung.
    (die wird aber später noch kommen).
    Anderer, kleinerer Gerichtssaal, gar keine Kontrollen mehr weder von Angeklagten noch von Zuschauern.
    Seit heute freigesprochen und kein Keksdieb, sondern Keks-Opfer. (Die Kekse, der Fa „Dr Scholze Konfiserie KG, die ich unbestritten in meinem Bestiz, in meinen Fahrradpacktaschen hatte, wurden ja auf Weisung der Staatsanwaltschaft vernichtet, nachdem die Fa ausdrücklich auf ihr Eigentum verzichtete. Meine Forderung auf Herausgabe hingegen wurde bewusst ignoriert. Die „Kosten des Verfahrens“ trägt die „Staatskasse“, also doch wieder ich*, oder Ihr, wir alle.
    *Ich will jetz nicht auf die Steuern die ich bezahlte, als ich noch nicht in prekäre Verhälnisser gerieht. Tatsächlich zahlen gerade die Ärmsten, zu denen ich wirtschaftlich sicher gehöre, eine gewaltige Steuerlast.

    Mein nächster Gedanke, (schon im Gericht, noch vor der Urteilsverkündung): Einen Freispruch werden mir sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft nicht verzeiehn.
    Rechtsanwalt Lemke am vorhergehenden Verhandluntag: Das Agieren der Staatsanwaltschaft hat die Grenze zur Lächerlickeit überschritten“

    Aber:
    Ich gelte hier in Lüneburg als so eine Art lokaler „Rudi Dutschke“.
    (Berufsdemonstrant, Chaot, kein Bürger, gegen alles, Aufwiegler, Querulant u.s.w.)
    Ein Polizeizeuge konnte sich bei der Befragung denn auch nicht ganz beherrschen und es platzte aus ihm heraus: Den Hilsen kenne ich aus ganz anderen Sachen, der sieht sonst aber immer ganz anders aus als hier, der hat ja seine ganz eigenen Rechtsvorstellungen, Ein (besonderes?) Verhältniss zum Eigentum, der Zweifelt alle unsere Maßnahmen immer an.

    Frage der Richterin; Wie sah er denn am Tattag aus?
    Zeuge: na in dieser typischen Akw-Szene-Kleidung, dunkel, unordentlich, schmuddelig.
    ( Metabotschaft an die Richterin sollte wohl lauten; Voorsicht, der tarnt sich hier mit gebügeltem Hemd und sauberen Hosen, eigentlich ist das so’n schwarzer Autonomer, einer von den ganz schlimmen)

    Darauf Rechtsanwalt Martin Lemke: Herr …, ich gehöre auch zur Ant-Akw Szene, ich trage meist Sakko, Blazer oder wie heute eine Robe…

    Der Freispruch ist natürlich klasse. War gar nicht ernsthaft zu erwarten.
    Meine, unsere, Ziele in dem Prozss waren auch tatsächlich andere:
    Das Recht auf Akteneinsicht für „Normalbürger“ „nicht Juristen“ ein weiters Mal durchsetzen, zu manifestiren, z.b.. (Ist teilweise gelungen)
    Bürger ermutigen, einen Prozess entschlossen und selbstbewusst zu führen.
    (2Es ist DEIN Prozess- Also führe ihn“, Fritz Teufel)
    Aufzuklären, daß, das „Recht zu schweigen“, keine blosse Formalie ist, wie die Fernsehkommissare wöchtentlich suggerieren, sondern ein wichtiges fundamentales Menschenrecht! Das man nie aufgeben darf.

    So ich muss noch für einige andere solidarische Leute, denen ich sehr dankbar bin, texte schreiben, nachher kommt noch ein Journalist für einen Hintergrundbericht, und dann kann ich hoffentlich demnächst wieder in gewohnter Weise neben oder hinter die Kamera(s) gehen und das Bild anderen, telgeneren, viel viel genialeren Leuten als mich überlassen und Menschen gegen die Atomindustrie aufwiegeln.

    Ich habe gestern auch einen Bußgeldbescheid wegen meiner Teilnahme an der Brückenaktion im Fuldatal bei Altmorschen beim Castor 2010 erhalten: 500€ plus Verfahrenskosten plus sehr sicher Schadenersatzforderungen der Bahn für verspätete Züge.
    http://blog.eichhoernchen.fr/post/Tatort-Fuldatalbruecke-Video-Castor-Kletteraktion-2010

    Gruss aus Lüneburg
    Karsten Keksdieb

  2. Hallo Keksdieb Karsten,
    war gestern schon in Sorge, wie es denn nun ausgegangen ist. Hätte mich heute irgendwie auf „Infosuche“ gemacht.

    Jedenfalls freue ich mich, dass es zunächst zu keiner Verhaftung gekommen ist.

    Am liebsten würde ich deinen Kommentar als Basis für einen neuen Beitrag verwenden. Darin soll es um „Querleben“ oder ähnliches gehen.

    Beste Grüße
    Roland

  3. Hallo Roland
    Du bist ja „gross“ und hoffentlich ein selbstständiger Geist.
    Ich selber finde mich eigentlich gar nicht so wichtig.
    Der Hype um den Keksprozess war ja ganz sicher auch der dauernden völlig Zufälligen Suchen der Infotainment-industrie nach einem netten Hanswurst geschuldet, den man mit einer Mischung von caritativem Blick und interesse begenen kannn.
    Nach dem Freispruch wird das Interesse sehr sicher völlig zusammenbrechen. Politische Hintergründe passen ja gar nicht in diese Sparte.
    Berichte über das Verfahren und die von uns vermuteten Hinergründe findest Du in Eichörnchens Blog siehe oben. ich werde hoffentlich auch bald eigene Texte verfassen und gebe auch gerne Auskunft.
    Meine Emilie kannst Du ja sicher einsehen.
    Mein Knast-Tagebuch (von den 7 Tagen Erzwingungshaft) tippe ich gerade. (Im Knast darf man ja leider nicht elektronisch schreiben). Aktuell stehen für mich demnächst drei Tage „Erzwigungshaft“ an, mit denen mich der Staat zwingen will, Geld zu haben, dass ich nicht habe. Also z.b. einen Harz-Antrag zu stellen.
    Desweiteren bin ich entschlossen dem mutigen Vorbild von Franziska
    http://knast.blogsport.de/hintergrund/
    zu folgen, und für keine ungerechten Bußgelder oder Geldstrafen, die werden wegen div. frecher Aktionen ziemlich sicher kommen, mehr zu zahlen, sondern in Zukunft in den Knast zu gehen.
    Ein Handlungsmöglichkeit die mir gerade meine prekäre Situation zulässt.
    Dahinter steckt die Idee, dass Knast im bestehenden System (oh Gott was ist das?) DIE Ulitmative Drohung ist, vor welcher alle Angst haben. (hatte ich auch sehr) und wir können Zeigen, dass wir auch diese Angst auflösen können.

    Gruss aus Lüneburg

  4. Hallo Karsten,
    so groß bin ich nicht, ausser vielleicht körperlich.

    Habe deine Sätze mehrfach bewußt gelesen und es bestätigt mich, wieso ich über den „Keksdieb“ geschrieben habe. Es ist nicht nur Hilsen, den kannte ich damals noch weniger als heute, es ist die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen wird. Und auch da ist es nicht der Umgang mit dir, denn du bist wir alle. Es betrifft uns alle.

    Ich war auch auf der Seite der Wagenburg http://www.lebenswagen.nirgendwo.info/ .
    Bin dann auch auf den Links der anderen Wagenburgen gewesen. Überall das gleiche, ein schmaler Grad, der uns zugestanden wird und in denen wir agieren müssen. Wohnen ohne Miete oder Grundsteuer geht ja gar nicht, wo käme da die „Ordnung“ hin. Ich finde es beklemmend. Da mag es eine gute Parallele geben, ich bin oft bewußt aus diesem Pfad heraus getreten oder versuche „die“ mit ihren eigenen Mitteln und Sonntagsreden zu konfrontieren, im Netz wie im Leben. Was glaubst du, wieviel Klicks ich auf meiner anderen Seite von der bay. Staatskanzlei hatte, als ich was von Söder veröffentlicht habe? (Vielleicht aber haben die den Bericht aber auch nur unter den Abteilungen rumgereicht und haben sich gefreut. Dann hätte ich aus Spaß daran *g*)

    Jedenfalls zur Wagenburg, ich räume hier gerade mein Bücherregal, ich mail dich an, vielleicht kannst die gebrauchen.
    Mitgliedschaft wäre ebenso eine Sache, oder auch direkte Zuwendung. Lass mich noch ein bischen „Werbung“ machen.

    Beste Grüße
    Roland

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