Eine alte Weisheit besagt, dass Ordnung das halbe Leben ist. Dieses hörte ich von Oma und Opa, von Mutter und Vater. Als Kind vernimmt man diese Worte, doch die Umsetzung ist eine andere Sache.
Unordnung als Blei
Als Jugendlicher habe ich mich gegen derartige Lebensentwürfe gestemmt und hatte Gegenweisheiten alá “Nur aus dem Chaos erwächst ein Genie” auf Lager. Heute weiß ich diese altbewährte Lebensweisheit der Ordnung zu schätzen, zumindest am Arbeitsplatz. Dieser quillt gerade über, eine Menge an Papieren und Ordnern die mangels Regalfläche am Boden herum liegen und stehen hängen fast wie Blei im Raum.
Es wird Zeit dass mein Büro einen Umbau erfährt. Während mein Blick über die Wände und Dachschrägen schweift und ich im Geiste bereits Regale einbaue, schweift ein Teil meiner Gedanken in meine ersten Schritte außerhalb des Elternhauses ab.
Die erste Wohnung
Denke ich an diese ersten Gehversuche in mein eigenständiges Leben zurück, so war das im Rückblick bestimmt eines der spannendsten Phasen in meinem Leben.
Man telefoniert mit Vermietern, absolviert Besichtigungen und irgendeine Wohnung, häufig Traumwohnung genannt, wird es dann. Ich war ungeduldig und ganz schnell mußte der Umzug von statten gehen. Freunde sind schnell bei der Hand, Kartons und Tüten füllten die Wohnung.
Die Wohnung, die bei der Besichtigung aufgeräumt und groß aussah erscheint nun plötzlich klein und unübersichtlich.
Dennoch ist es die schönste Wohnung, zumindest so lange bis man anfängt in den Kisten zu suchen. Wo war die Bettwäsche? Wo ist die Kaffeemaschine und die Handtücher? Das große wühlen beginnt und man bedauert sehr schnell noch keinen Schrank oder Regal zu haben. Lediglich eine Matratze hat als Möbelstück den Weg in die Wohnung gefunden.
Baumarkt – ein guter Rat?
“Geh doch in den Baumarkt und hol dir ein paar Schienen”, so der Rat eines Freundes. Nicht jeder Ratschlag ist ein guter Ratschlag. Aber zunächst erscheint es plausibel.
Baumarkt klingt nach Schnäppchen, irgendwelche Angebote werden die bestimmt haben. Das bisschen Holz kann auch nicht die Welt kosten. Der Kassenbon belehrte mich eines besseren. Für das Geld könnte man handfeste Möbel erwarten, doch es befanden sich lediglich ein paar Metallschienen, Schrauben und Dübel wie ein paar Holzbretter im Einkaufswagen. Dass es neben einer Bohrmaschine und Zollstock auch noch eines passenden Bohrers und einer Wasserwaage bedarf wird dann klar, wenn man anfangen will.
Das Ergebnis war war mehr als gewagt und erfüllte schnell nicht mehr meine Bedürfnisse. Bei den kommenden Umzügen habe ich die Metallschienen zwar mit umgezogen, doch im Laufe der Zeit wurden es immer weniger. Längst greife ich auf fertige und zweckmäßige Regale zurück. Denn wie heißt es so schön? Ordnung ist das halbe Leben.
(Foto von http://www.home24.de/regale/)



