Unwort des Jahres 2011

Es gibt das Wort des Jahres, das immer am Ende eines Jahres von der Gesellschaft für deutsche Sprache ermittelt wird. Und es gibt das Unwort des Jahres, das von einer unabhängigen Institution gekürt wird. Bis 1994 hat das Unwort des Jahres die Gesellschaft für deutsche Sprache gekürt. Wir haben darüber berichtet.

Dieses Jahr lautet das Unwort „Dönermorde„.
Außerdem waren die Worte: Gutmensch und marktkonforme Demokratie mit im Rennen und wurden gerügt. Ersteres ist nahezu ein Schimpfwort geworden, zweiteres heißt nichts anderes, als die Gesellschaft nach den Regeln des Kapitalismus umzubauen.

Die Begründung für das Unwort sind (Zitat aus der Pressemitteilung):
Mit Döner-Morde wurden von Polizei und Medien die von einer neonazistischen Terrorgruppe verübten Morde an zehn Menschen bezeichnet.

Der Ausdruck steht prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde: Die Unterstellung, die Motive der Morde seien im kriminellen Milieu von Schutzgeld- und/oder Drogengeschäften zu suchen, wurde mit dieser Bezeichnung gestützt.

Damit hat Döner-Mord(e) über Jahre hinweg die Wahrnehmung vieler Menschen und gesellschaftlicher Institutionen in  verhängnisvoller Weise beeinflusst. Im Jahre 2011 ist der rassistische Tenor des Ausdrucks in vollem Umfang deutlich geworden: Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechtsterroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden.

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