Zitate und Redewendungen # 11 – Was war zuerst, Huhn oder Ei?

Ostereier
Ostereier

Normalerweise ist auf dem Blog der Zitatetag am Freitag. Die letzten beide male mußte er ausfallen und diese Woche ist Freitag der Karfreitag. Da halte ich es wie die öffentlich – rechtlichen, ich tue nix oder bringe Wiederholungen.

Das heutige Zitat ist kein Zitat, eher eine Redewendung mit Fragezeichen, eine weit verbreitete rhetorische Frage. Zu Ostern ist diese Frage an jeder Ecke zu lesen.

Die Frage kann aus verschiedenen Standpunkten heraus beantwortet werden und es werden daraus auch verschiedene Erkenntnisse gewonnen. Wobei ausgerechnet die gegensätzlichsten Anschauungswelten die gleiche Antwort liefern.

Wagen wir einen Ausflug in die Beantwortung einer scheinbar profanen Frage die es in sich hat „Was war zuerst, das Huhn oder das Ei?“ Man spricht auch vom Henne – Ei – Problem.

Die Standpunkte

Die Beantwortung der Frage „Was war zuerst? Das Huhn oder das Ei?“ aus unterschiedlichen Standpunkten heraus beantwortet werden.

  1. Biologisch und Evolutionsgeschichtlich
  2. Ethisch mit der Sichtweise großer Religionen und der Schöpfungsgeschichte
  3. aus philosophischer Sicht
  4. aus rhetorischer Sicht

Alle vier Standpunkte geben eine Antwort. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war es keine Frage welche Antwort man zu geben hatte. Alles andere war lebensgefährlich.

Evolution – Naturwissenschaft

Dieser Standpunkt erklärt das Henne-Ei Problem pragmatisch, da gibt es im Grunde kein Problem. Das Ei hat sich im Laufe vieler Millionen Jahre entwickelt und zwar seit dem Lebewesen versuchen das Wasser zu verlassen.

So wurde aus Laich im Laufe der Zeit ein Ei. Ein Ei hat eine kalkhaltige Schutzhülle die sich um das Embryo legt. Dieses war wegen der Umwelteinflüsse wie Sonne notwendig. Laich alleine trocknet an Land sehr schnell aus. Man kann sagen es war zuerst ein Lebewesen da, das ein Ei oder einen Vorläufer davon legte.

Aus naturwissenschaftlicher Sicht kann man sagen dass zuerst das Huhn (oder auch Schlammspringer mit seinem Laich) da war.

Das Huhn selbst entwickelte sich natürlich aus früheren Lebensformen, dem Einzeller. Will man das als Ei bezeichnen? Könnte man. Dann aber muß man noch weiter zurück gehen, über die Urbausteine bis hin zum Urknall. Und selbst da ist noch kein Grund gelegt, der Urknall ist nur eine Ursache. Von was weiß man nicht. Das ist schon sehr philosophisch und verlässt den Boden der Naturwissenschaft. Zur Philosophie später mehr.

Es mutet wie ein Wunder an dass die Evolution derartige Möglichkeiten hervorbringt. Genau genommen ist die ganze Entwicklungsgeschichte ein Wunder und man kann nur staunen was sich die Natur alles einfallen lässt.

Schöpfungsgeschichte

Die Schöpfungsgeschichte kennt keine Evolution. Alles wurde geschaffen und besteht seit diesem Augenblick unverändert. Diese Vorstellung war noch weit in das 19. Jahrhundert vorherrschend und unanfechtbar. Andere Gedanken wurden systematisch unterdrückt und verfolgt. Beziehungsweise ist das teilweise noch so, besonders im Islam.

Die Schöpfungsgeschichte erfährt in den USA einen Boom und nennt sich Kreationismus. Diese Bewegung argumentiert mit der wörtlichen Interpretation der heiligen Schrift. Sie gilt als Gegenbewegung zur Naturwissenschaft.

In dieser Schöpfungsgeschichte gab es keine Entwicklung vom Laich zum Ei. Gott hat die Henne und den Hahn erschaffen. Nach der Begattung wurde das erste Ei gelegt.

Daher hatten auch Adam und Eva keinen Bauchnabel, denn sie entstanden so. Der Bauchnabel kam erst mit der ersten Geburt hinzu.

Nach der Schöpfungsgeschichte war zuerst das Huhn da.

Philosophie

Die Philosophie setzt da ein wo die Naturwissenschaft aufhört. Wie oben erläutert gibt es in der Evolution den Punkt an dem Lebewesen das erste mal versucht haben Laich an Land abzulegen. Über viele Generationen hinweg entwickelte sich langsam ein Kalkmantel. Damit war es möglich dem Wasser zu entkommen.

Doch was war der Grund, der Ursprung? Kam dieses Lebewesen nicht selbst aus einem Ei (Laich)? Und je mehr man nachfragt und forscht desto näher kommt man dem Einzeller, dem Ursprung des Lebens. Nein, der Einzeller ist nicht er Ursprung des Lebens. Es sind Elemente wie Kohlenstoff, H2O und Wärme die ein Leben haben entstehen lassen. So sagen es die einen. Andere behaupten dass die ersten Einzeller mit Meteoriten auf der Erde landeten.

Doch woher kam dieser Meteorit (oder die Elemente)? Wenn man dieser Frage nachgeht wird man sich immer mehr dem Urknall nähern und selbst da ist es nicht zu Ende. Denn der Urknall ist auch eine Wirkung einer gesetzten Ursache. Welcher weiß man nicht.

Die Philosophie beantwortet die Frage nach dem Huhn und dem Ei nicht. Sie lässt es offen und spricht von einer Kausalkette. Denn fortwährend wird etwas gelegt und geboren. „Der Meteorit (Henne) legt den Einzeller (Ei)  ins Meer, doch woher kommt der Meteorit? Schlüpfte er nicht aus einem zerborstenen Planeten (Ei)?“ Uns so weiter…

Immer war etwas vorher und letztendlich kann die Frage aus philosophischer Sicht nicht beantwortet werden.

Rhetorisch

Die Rhetorik liefert zu dem Thema gar keine Lösung. Die Rhetorik greift auf das Henne – Ei – Problem gerne zurück wenn etwas unauflösbar erscheint.

Doch nach unserem Vorwissen das wir uns heute angeeignet haben verblasst dieser rhetorische Kunstgriff und zeigt uns wie wenig Mühe sich viele der Redner mit uns machen um uns von etwas zu überzeugen. Beziehungsweise wird der Kunstgriff gerne genutzt um ein Nichthandeln zu rechtfertigen um einen Nebelschleier über geschehenes zu legen.

Zusammen fassend kann man sagen

Die Naturwissenschaft sagt: Zuerst war die Henne da.

Die Schöpfungsgeschichte sagt: Zuerst war die Henne da.

Die Philosophie sagt: Man weiß es nicht und gibt keine Antwort

Die Rhetorik sagt: Mir ist das leidlich egal, Hauptsache es hilft den eigenen Standpunkt zu untermauern

Wie man sieht, die Naturwissenschaft und die Schöpfungsgeschichte, zwei gänzlich unterschiedliche Anschauungswelten, liefern die gleiche Antwort

Und ich? Mir ist es im Grunde egal. Mir ist wichtig dass das Huhn unter würdigen Umständen ihr Ei legen kann. Dann schmeckt es mir auch. Für mich ist das Ei ein kleines Wunder und die Henne gehört zu meinen Lieblingstieren.

Roland Engert

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7 Gedanken zu „Zitate und Redewendungen # 11 – Was war zuerst, Huhn oder Ei?

  1. Ich sage Henne und Hahn waren gleichzeitig da! Ansonsten keine befruchtetes Ei und kein Küken und da wäre noch das Problem mit der Inzucht, müssen also noch mehr gewesen sein! Weiße,braune, gescheckte usw.
    Solche gefärbten Eier habe ich gestern und heute vergeblich versucht hier zu kaufen. Ostern gibt es bei mir nur Schokoladeneier.

  2. Schön dich zu lesen 🙂 (Bald wieder auf G+, hab nur zur Zeit keine Lust dazu).
    Diese Aufnahme ist auch vom letzten Jahr, aber es gäbe trotzdem noch genug zu kaufen. Unser Kaufmann im Dorf sorgt dafür. 🙂

  3. Ich glaube die Henne war zuerst da. Da sie die letzten Dinosaurier sind … angeblich.
    Also erst Dinoeier – daraus Dinohühner und dann daraus Hühner und dann erst die Hühnereier … oder so.
    Mit der Inzucht darf man in der Schöpfungsgeschichte aber nicht kommen, obwohl es ja so wäre… und man das mit den Brüdern und Schwestern auch besser versteht. Aaaaber das Ganze wäre wieder ein Thema für sich und am Besten sehr sensibel zu behandeln.
    Bibbernde Grüße von den Küken

  4. Hallo Schwesta, nach deiner Theorie nach, die sich liest wie „aus Hühnern werden Hühnereier“, müßte ich ja eines Tages wieder Kind werden. Hat aber noch Zeit, zunächst muß ich Erwachsen werden 🙂

  5. Toller Artikel, wo ein „altes Problem“ auf verschieden Weise erklärt wird. Gefällt mir sehr! Ich bin da ganz auf der Seite der Schöfpungsgeschichte 😉 Bei anderen Lebewesen stellt man ja auch nie die Frage: Wer war zuerst da?
    Aber eigentlich egal 🙂 Ich freu mich jedenfalls auf Ostern und die ganzen Ostereier – egal, ob in Form von richtigen Eiern oder Schokoladeeiern.

    Frohe Ostern allen!

  6. Danke für das Lob 🙂
    Heute ist hier richtig frühlingshaftes Osterwetter. So könnte es bleiben. Dir auch ein frohes Osterfest.

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