Bart

Die tägliche Last, das rasieren

Als Junge ahnte ich es schon, das rasieren wird ein Kriegsschauplatz. Das Gesicht von Vater und Opa zierte immer wieder mal ein blutiges Stück Toilettenpapier. Was soll man da als Kind denken? Hurra mir wächst auch bald ein Bart?

Der Bartwuchs

Der Bart ist ein unermüdlich heranrückender Feind der täglich bekämpft werden will, sofern einem an soziale Kontakte und Karriere gelegen ist. Zumindest war das mal eine zeitlang so. Wer unrasiert war ging ohne weiteres als Gammler durch der nichts von Beruf und Arbeiten hält.

Doch was ist der Bartwuchs? Ein ausgelebtes Rachegelüst eines der vielen weiblichen Götter oder gar ein Überbleibsel aus  der Steppe als Vollkörperbehaarung noch zur Evolution gehörte?

Laut Wikipedia gilt der Bartwuchs bei Männern als sekundäres Geschlechtsmerkmal. Der Bartwuchs wird vom Testosteron befeuert und von Genen untermauert. Und das Testosteron ist nun mal Männersache und Verantwortlich für Dinge die eben nur Männer machen.

Bei Frauen gibt es auch einen Bartwuchs, natürlicherweise aber erst ab der Menopause wenn die Hormone sich umstellen und Frauen auch etwas mehr Testosteron produzieren. Außer man ist russische Athletin, dann kann das schon in jungen Jahren passieren.

Der Bartwuchs stellt sich während der Pubertät ein. Als ob man mit Stimmbruch nicht schon genug gestraft wäre so kommt ein seltsam wuchender Flaum hinzu der mit Bart im eigentlichem Sinne nichts am Hut hat. Es wächst halt was kreuz und quer und an verschiedensten Stellen ohne sich als richtiges Haar erkennen zu geben, eher ein Flaum.

Das verleiht dem jungen Mann der nach seinem Platz in der Gesellschaft sucht ein kükenhaftes Aussehen. Super, genau das braucht man.

Der Bart als kulturelles Erkennungsmerkmal

Die Mode macht aus allem etwas, so auch aus dem Bart. Der Bart unterliegt Modeerscheinungen, drückt sozialen Stand und Zugehörigkeit aus.

Religionen

In einigen Religionen gibt es Vorschriften bezüglich des Bartes. Besonders zu nennen ist hier der Islam und das Judentum. Im Judentum geht es hauptsächlich um die Abgrenzung zu den sogenannten Heiden. Auch innerhalb des Judentums gibt es verschiedene Strömungen bezüglich der Barttracht.

In kleineren Strömungen wie den griechisch-orthodoxen Kirchen ist eine lange Barttracht für den Priester unentbehrlich. Zar Peter der Große verlangte von seinem Volk eine Bartsteuer, ausgenommen waren eben jene Priester.

Priester und Mönche der römisch-katholischen Glaubensrichtung ist Bart tragen nur mit Erlaubnis von oben gestattet.

Gesellschaft

In der Gesellschaft war neben modischen Erscheinungen der Bart auch Abgrenzung, Erkennungszeichen und Protesthaltung. Ob bei den Römern die, wenn auch erst spät und von anderen übernommen, eine Kultur ums rasieren entwickelt haben. Für sie waren Bärte ein Zeichen der Barbaren. So gaben sie sogar einem Volk mit besonders langen Bärten den Namen Langobarden (Langbärte).

Aber so weit muss man gar nicht zurück greifen. Das Militär zum Beispiel erlaubte den höheren Dienstgraden einen Schnauzbart während den niederen Dienstgraden der Bart verboten war.

Im 19. Jahrhundert trug der Revolutionär einen Bart, als Protest gegen Napoleon, propagiert vom Turnvater Jahn. Im gleichen Atemzug tat es die französische Opposition den Deutschen gleich und zeigten Protest mit Bart.

Dieser Protestbart setzte seinen Siegeszug fort und erfasste Großbritannien, Rußland und den Rest Europas. Der Bart wurde salonfähig und verlor seine Wirkung als Protest.

Kampf dem Bart

Mitte des 20. Jahrhunderts gab es glühende Auseinandersetzungen um den Bart. Militärisch war er inzwischen erlaubt und als Sonnenschutz und Staubfänger für die Soldaten empfohlen.

Doch Mediziner, allen voran Pasteur, warnten vor Keimen die sich im Bart einnisteten. Gewarnt wurde vor Tuberkulose und Diphtherieerregern. So setzte sich langsam die Rasur und der glattrasierte Mann durch.

Gillette der zur gleichen Zeit den Rasierhobel auf den Markt brachte und das rasieren wesentlich vereinfachte war Nutznieser dieser Entwicklung und konnte mit dem Wegwerfprodukt ein Imperium aufbauen.

Der Bart in der heutigen Zeit

Die 70ziger erlebten eine Schnauzerwelle. Viele schlimm anzusehende Bilder entstanden in dieser Zeit. Der Wildwuchsbart erlebte eine Wiederkehr, vor allem bei der Protestjugend. Da war er wieder, der Bart als Ausdruck einer gesellschaftlichen Orientierung.

Der Bart in der aktuellen Zeit will gepflegt sein. Die aktuelle Bartmode ist kultiviert und reicht vom Drei-Tage-Bart bis hin zum Vollbart. Aber bitte nicht als Wildwuchs sondern ordentlich frisiert.

Ich persönlich trage einen Bart im Stile Jürgen von der Lippe, einen sogenannten Klodeckel.

Der Drei Tage Bart

Diese Bartmode hält sich schon erstaunlich lange und gilt als salonfähig und sexy. Er symbolisiert den eigenen Willen. Allerdings ist auch hier Wildwuchs ein NoGo. Der Drei-Tage-Bart muss gepflegt sein. Denn schnell kann es zum Gestrüpp ausarten und einen ungepflegten Eindruck vermitteln, das Gegenteil von männlich.

Doch was ist ein Drei Tage Bart? Ist er wirklich 3 Tage alt? Nein, er ist je nach Wachstum 1 Tag bis 10 Tage alt. Dunklere Haare erwecken recht schnell den Eindrucks eines Bartes. Bei helleren Haaren dauert das etwas länger.

Daher spricht man eher von Millimeter. Das fängt bei 0,4 mm bei sehr dunklen Haaren an und wird auch als Schatten bezeichnet. Die obere Skala bildet der Kurzurlauberbart mit einer Länge von 3,5 mm. Der Klassiker ist 1,5 mm lang.

Um einen regelmäßigen Drei Tage Bart hinzubekommen lässt man den Bart zunächst etwas länger wachsen. Dann testet man mit einem Bartschneider welche Länge am besten passt, immer ein Stückchen kürzer bis man meint dass es richtig ist. Sollte es daneben gehen keine Sorge. Wenn eines im Leben sicher ist dann ist es der Bartwuchs.

Hat man einmal die Grundform und die optimale Länge herausgefunden ist es ein leichtes den Bart dauerhaft auf Länge zu halten und stets gut auszusehen. Einen guten Ratgeber über Maschinen zur Bartpflege gibt es hier.

Eines kann ich aus  eigener Erfahrung berichten. Ein Barthaar fängt irgendwann an sich einzudrehen und pikst einen in die Haut. Diese Länge sollte man vermeiden. Es kann auch passieren dass diese Barthaare die Haut reizen oder gar einwachsen und Hautunreinheiten verursachen. Daher ist rechtzeitiges und gleichmäßiges schneiden wichtig.

 

 

Roland Engert

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3 thoughts to “Die tägliche Last, das rasieren”

  1. Ich bin zu bequem mich jeden Tag zu rasieren. Ich habe immer einen 3-Tage-Bart und eigentlich kennt mich auch niemand ohne Bart. Habe mich bestimmt über 10 Jahre nicht mehr ohne Bart gesehen. Jede Woche rasiere ich mich einmal mit einem Langhaarschneider und rasiere dann die Kanten damit alles seine Ordnung hat. Jeden Morgen aufstehen und erstmal rasieren könnten ich nicht.

  2. Lästig…das Problem heutzutage: Finde mal einen vernünftigen Elektrorasierer, welcher sehr gute Ergebnisse liefert und zugleich Günstig ist…

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