Es war einmal – von Dieter, Freundinnen und Schicksal

Schicksal

Das ist ein Schwank aus meinem Leben und gehört zu „Es war einmal„.

Ich war mal verheiratet. Wie es zu einer ordentlichen Hochzeit gehört gibt es davor eine Junggesellen Abschiedsparty. Zu so einer Party gehören eine Menge Kumpels und Freunde, eine Menge Alkohol und duldsame Nachbarn. Ich habe und hatte nie viel Freunde, meistens ein oder zwei. Genau gesagt gab es über viele Jahre hinweg nur einen Freund, Dieter.

Ok, es gab noch Bruno. Doch Bruno ist schwer zu fassen. Mal in Südafrika, mal England mal steht er neben einem, im nächsten Moment lebt er auf einem anderen Kontinent. Es rentiert sich nicht eine Telefonnumer von ihm einzuprogrammieren.

Dieter hatte ich auch die Frau zu verdanken die ich heiratete. Er hat sie mir nicht direkt geschenkt, das ganze beruhte auf „unserem System“ und entwickelte sich eher Schicksalshaft.

Dieter, Ich und die Frauen

Dieter ist ein (der!) Freund mit dem ich meine gesamte Sturm- und Drangzeit verbrachte. Wir waren weitgehend jede Minute zusammen die uns verblieb. Wir wollten zusammen nach Berlin fliehen um der Bundeswehr zu entgehen, wir haben zusammen ein Ufo gesehen (das ist eine andere Geschichte) und wir haben uns das mit den Frauen so eingeteilt dass und möglichst wenig gemeinsame Zeit dadurch verloren ging.

Zuerst hatten wir zusammen eine gemeinsame Freundin. Das kam uns sehr entgegen, war praktisch und sehr zeitsparend. Auf diese Art konnten wir immer zusammen sein und unsere Freundschaft pflegen. Ob Wochenendeinkauf oder Stadtbummel, Dieter und ich verbrachten dadurch viel Zeit miteinander.

Das ging solange gut bis diese Freundin immer öfter ihre gesamte Zeit mit uns verbringen wollte. Sie wollte mit zum angeln, sie wollte mit in unsere Stammkneipe, sie wollte mit wenn wir mal Zigaretten holen gingen. Irgendwie kam uns diese Freundin wie ein Keil vor und gemeinsam machten wir Schluß. Danach fühlten Dieter und ich  uns frei.

Doch wie sollte es weitergehen? Ganz auf Frauen wollten wir nicht verzichten.

Geschwisterfreundinnen

Ich lernte eine Frau kennen die mir fast den Atem raubte. Doch sie hatte einen Haken, sie würde zwischen Dieter und mir stehen. Das Schicksal meinte es gnädig mit uns denn sie hatte eine Schwester und beide wohnten zusammen unter einem Dach bei den Eltern. Das war die Lösung und das Zukunftsmodell für Dieter und mich. Wir würden immer Schwestern suchen die zusammen wohnen. Denn zur Not können die sich miteinander beschäftigen.

In dem Fall war es noch besonders günstig da diese Geschwister in ihrem Elternhaus wohnten, ein riesiges Bauernhaus. Wir hatten auch schon einen Plan. Es galt zunächst die Mutter für uns zu gewinnen. Denn wenn es mal zu kritischen Situationen kommen würde, die Töchter würden immer zur Mutter gehen und ihr Leid klagen. Hatten wir die Mutter auf unserer Seite so würde der Rest sich schon fügen. Und so war es auch, ob wir mal ein oder zwei Tage zu spät zur Verabredung kamen oder das Essen längst verkocht war, die Mutter richtete es. Dieter und ich konnten zusammen sein – ein herrliches Leben.

Irgendwie hatten wir den Bogen dann doch überspannt. Schade eigentlich, denn die Mädels waren wirklich tolle und begehrenswerte Frauen, intelligent und vor allem humorvoll – meistens jedenfalls, zumindest ziemlich oft.

Doch das Modell zweier Geschwister unter einem Dach war an sich nicht schlecht und wir machten uns wieder auf die Suche. Es war die Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Eines Tages in der Disco kam Dieter auf mich zu und flüsterte mir ins Ohr dass er wieder ein Geschwisterpäärchen gefunden hat. Schnell war ausgemacht wer welche nimmt. Auch diese wohnten unter einem Dach und auch hier konnten wir die Mutter, eine herzensgute Frau, für uns gewinnen. Ein herrliches Leben. Aber das erwähnte ich schon.

Das grausame Schicksal

Rückblickend hatten Dieter und ich tolle Jahre.. Wir hatten viel verrücktes gemacht und ließen und nicht so leicht vom vollen Leben abhalten. Aber irgendwie geriet irgendwann alles aus dem Ruder. Dieter machte mit seinem Schwesternteil Schluß, oder war es umgekehrt? Ich verpasste den Absprung und blieb bei dem anderen Schwesternteil (im folgenden A. genannt). Zu eng war die Verbindung, zumal ich inzwischen im Geschäft ihres Vaters mitarbeitete. Es war alles zu verwoben um einfach zu gehen. Dieter schaltete einen Gang herunter und war zunächst sehr in seinem Beruf eingespannt.

Ich persönlich bin eher der Typ der an ein Schicksal glaubt, bzw. sich denkt „Es kommt sowieso so wie es kommen soll“. Dass das nur bedingt richtig ist verstand ich erst im fortgeschrittenen Leben. Ich bin wohl zu wohlbehütet aufgewachsen und glaubte wohl zu sehr an eine Macht die für mich lenkt. Man kann vermutlich einen gewissen Lebensweg nicht ausweichen, aber man kann seinen Weg durchaus gestalten, ganz nach dem Motto „Jeder ist seines Glückes Schmied“.

Jedenfalls schmiedete ich nicht, sondern ließ schmieden. So bekam ich eines Tages den Heiratsantrag, besser gesagt ich wurde gefragt ob ich nicht endlich einen Heiratsantrag machen will. Naja, eigentlich wollte ich nicht, dachte aber wenn es schon so kommt, wieso nicht. Der liebe Gott wird schon auf mich aufpassen, es kann mir nichts passieren.

Junggesellenabschied

Blitzeinschlag - SkizzeUnd so kam es wie es kommen sollte, der Jungesellenabschied nahte. Dieter und ich waren sehr häufig beim angeln, oft auch über Nacht. So entschieden wir uns für einen gemeinsamen Junggesellenabschied beim Angeln. Die letzte gemeinsame Nacht in Freiheit, danach würde ich mich mit der Ehefrau abstimmen müssen und mich in das Schicksal vieler Männer begeben – möglichen Ärger mit der Ehefrau A. vermeiden. Genau genommen wollte ich nicht heiraten, ich sah darin keinen tieferen Sinn. Aber wenn das Schicksal es so vorsah, was kann ich dagegen tun. Gut, ich hätte Nein sagen können, aber das weiß ich erst heute.

Gottes Fingerzeig

Dieter und ich zogen bei schönstem Wetter los und schlugen unser Angellager auf. Wir standen an einem Weiher in einem kleinen Wäldchen, eines unserer Lieblingsstellen. Ein paar Biere später schlug das Wetter um und es zog Gewitter auf. Eines von den Gewittern die nicht richtig weg gehen, die im Tal liegen bleiben und sich immer wieder entladen.

Diesmal entlud sich das Gewitter über uns. Ein Blitz schlug nur wenige Meter neben uns ein und ein Baum zersplitterte. Dieter sprang mindestens 30cm vom Boden hoch und mein linker Arm war zunächst taub, erwachte aber schnell wieder zu Leben. Allerdings hielt ein Schmerzgefühl über mehrere Tage an. „Glück g´habt“ oder „passt scho“, wie wir Bayern sagen. Überlebt ist überlebt und das nächste Bier wartet schon.

War das ein Fingerzeig? Sollte ich nicht heiraten? War es eine Abrechnung von höherer Stelle für wahrlich nicht feines Verhalten in der Vergangenheit? Ich wollte es wissen und reckte meine Angel gegen den Himmel „Schlag ein wenn ich nicht heiraten soll“ rief ich dem Wettergott entgegen. Es tat sich nichts mehr. Entweder hat er mich nicht gehört oder er hat mich ignoriert.

Ich wollte es wissen und zog mit Dieter an einen anderen Angelplatz, vier allein stehende Bäume am Weiher. Wir spannten unsere Ponchos dazwischen auf und machten es uns bequem. Wenn ich nicht heiraten soll, soll der Blitz einschlagen. So verbrachte ich einen großen Teil der Nacht bei Gewitter unter diesen einzel stehenden Bäumen. Dieter ging mit, denn der Gedanke dass nur ich vom Blitz getroffen werden könnte war ihm nicht geheuer.

Wie wird wohl mein Leben? Über diese Frage sinnierend schoß ein blaues Licht an mir vorbei. Das allerdings war kein Blitz, es war ein Topfdeckel. Ich hatte Rotwein über der Feuerstelle erhitzt um etwas wärmendes gegen die Kälte zu haben. Dieser Rotwein kochte und der Alkohol sammelte sich unter dem Topfdeckel. Irgendwie hatte sich das entzündet und der Deckel flog mit einem Feuerschweif auf die Wiese.

Der Glühwein allerdings schmeckte nicht mehr ganz so wie man es sich vorstellt, er hatte deutlich weniger Pepp. Sollte so mein Leben verlaufen? Ohne Pepp?

Nachtrag

Mancher Leser wird sich jetzt fragen, wieso geht er einen Weg wenn er nicht überzeugt ist? War das Leben mit A. wirklich schlimm? Wie ging es mit Dieter weiter?

Ich hatte nunmal einen Hochzeitsantrag gemacht nachdem ich gefragt wurde ob ich denn einen machen würde, deshalb habe ich geheiratet. Einen Rückzieher gibt es nicht –  Männerehre. Die Ehe war nicht schlimm, es gab Höhen und Tiefen und schicksalhafte Momente. Durch mein Zutun hätte es sicher auch mehr Höhen gegeben. A. hatte sehr viel für die Ehe getan.

Doch nicht immer kann ich was dafür wenn etwas schief läuft. Zum Beispiel bei der Geburt meiner Tochter. Es war ausgemacht dass ich in der Arbeit angerufen werde wenn A. ins Krankenhaus gebracht wird. Danach würde ich sofort von der Arbeit losfahren. Das tat ich auch, doch unterwegs kam ich als erster zu einem Unfall bei dem ein Auto brannte und ein Mann eingeklemmt war. Ich konnte die Feuerwehr alarmieren, das nötigste tun und war auch schon wieder weg. Später in den Verkehrsdurchsagen war zu hören dass die Straße komplett gesperrt ist.

Zuhause angekommen rief ich im Krankenhaus an wie es denn aussieht. Man teilte mir mit dass ich mir Zeit lassen kann, es wird noch dauern. Halbstundenweise rief ich an, denn es war ebenfalls ausgemacht, dass A. die Geburt mit ihrer Schwester machen will und ich erst danach dazu komme sollte. Immer wieder erhielt ich die Auskunft vom Krankenhaus es würde noch dauern, man würde mich umgehend anrufen.

Das Telefon klingelte. Es war nicht das Krankenhaus, es war die Schwiegermutter die mir zum Kind gratulierte. Das Kind war schon seit 2 Stunden auf der Welt, das Krankenhaus verwechselte mich und meinte eine andere Frau die in den Wehen lag. Das sind Dinge die man nicht in der Hand hat, Dinge die einem kaum einer glaubt aber  für die man gerade stehen muß.

Mit Dieter hatte ich noch viele Jahre Spaß, natürlich auf Ehekompatible Art und Weise. Dennoch reichte es um uns den Beinamen „Zwillinge“ einzuhandeln. Es war nicht das letzte mal dass eine Frau unseren Weg kreuzte.

*** Zwischeneinschub: Eine spätere Freundin von Dieter, ich war bereits geschieden, wollte mit mir schlafen, doch ich wollte nicht. Sie erzählte, sie würde mich wegen Vergewaltigung anzeigen wenn ich das nicht tue. Das ging über eine ganze Zeit so. Ich schlich mich schon bei Dunkelheit nach der Arbeit ins Haus, blieb sogar die eine oder andere Nacht weg. Doch sie lauterte ständig irgendwo, hing sich sogar an mein Auto. Irgendwann klingelte das Telefon und Dieter war dran. Er war sauer weil seine Freundin behauptete, ich hätte sie gerade vergewaltigt. Ich erzählte Dieter wie es war und bot an zusammen zur Polizei oder ins Krankenhaus zu gehen. Die Freundin von Dieter wollte auf einmal keine Untersuchung mehr oder eine Anzeige erstatten, denn es wäre nichts dabei heraus gekommen denn ich hatte nichts getan.

Allerdings war Dieter nicht mehr der Dieter wie ich ihn kannte. Er hatte einen grauen Schleier auf seinem Gemüt. Es lag an seiner Freundin die ihn ständig unter Druck setzte. Sie würde sich umbringen wenn sie nicht ein Kind von ihm bekäme und dergleichen. Irgendwie und Irgendwann konnte ich Dieter davon überzeugen die Frau einfach laufen zu lassen, ich konnte ihn überzeugen dass sie sich nicht umbringen würde. Irgendwie gelang das auch und er lebte wieder auf. Von meiner nachehelichen Freundin die beste Freundin suchte einen Freund. Es war fast wieder wie in alten Zeiten. Zwischeneinschub Ende ***

A. war die beste aller Ehefrauen, da es auch die einzige war. Sie und die gemeinsame Tochter waren und sind Halt in meinem Leben, wer weiß wo ich gelandet wäre.  A. hat viel gegeben und hatte es sicher nicht leicht mit mir. Ich war einfach nicht reif für eine Ehe. Ob ich es jetzt wäre, darüber bin ich mir nicht mal sicher, es steht auch nicht zur Debatte. In mir schlummern genügend Unzulänglichkeiten, manch eine Freundin hat diese schon zu spüren bekommen und ist daran verzweifelt.

Nach der Ehe hatte ich erstmal eine Kommune mit 5 Frauen aufgemacht. Zunächst eine angenehme Lebensform, man braucht nicht tief zu gehen, kann vom Herzen her eher oberflächlich leben. Doch das ist mir zu lau, ich entschied mich wieder für den Weg der konventionellen Freundschaft und Liebe. Dass dieser Weg ein eher mystischer sein wird wußte ich nicht. Jedenfalls eröffnete die kommende Phase einen Blick in mein Leben wie ihn nur wenige bekommen. Mal sehen ob ich darüber schreibe.

Bin ich denn überhaupt beziehungsfähig? Kommt drauf an wen man fragt. Dieter gibt sicher eine andere Antwort als eine meiner Partnerinnen. Lilly mein Doggenmädel würde es zu 100% bejahen und das ist doch schon mal wunderbar.

Und irgendwie ist doch alles Schicksal. Wie wäre mein Leben verlaufen wenn Dieter nicht das zweite Geschwisterpaar kennen gelernt hätte. Wie wäre das Leben verlaufen wenn ich Dieter nicht kennen gelernt hätte? Wo wäre ich wenn ich einen soliden Lebensweg eingschlagen hätte? Wie auch immer, ich habe das Gefühl vom Leben reichlich beschenkt zu sein.

Roland Engert

Danke fürs lesen. || Wenns gefallen hat würde ich mich über einen Klick bei Twitter, Facebook oder Google+ freuen. Der Lohn eines armen Bloggers sind Likes, G+ oder Netzgezwitscher. || In Bayern geboren, in Ostfriesland lebend.

2 thoughts to “Es war einmal – von Dieter, Freundinnen und Schicksal”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This Blog will give regular Commentators DoFollow Status. Implemented from IT Blögg