Vom Kassettenrecorder zum MP3 Player

MP3 Player und Audiocassette
MP3 Player und Audiocassette

Die Tage verleiten mich wieder mal zum ausmisten.

In die Hände sind mir alte Kassetten gefallen mit denen ich vor vielen Jahren mein Englisch aufbesserte. Jahrzehnte müssen diese Kassetten alt sein.

Einen Kassettenrekorder besitze ich schon lange nicht mehr. In der Garage liegt noch ein altes Autoradio mit Kassettenteil, doch ein Abspielgerät findet sich im Haushalt nicht mehr.

Dabei wahren die Zeiten mit der Musikkassette aufregende Zeiten. Man musste einige Hürden bewältigen um an halbwegs akzeptablen Hörgenuss zu kommen. Heute hat der  MP3 Player diesen Platz eingenommen und man muß sich um Unwegsamkeiten nicht mehr kümmern.

Lebenslotse

Da bin ich wieder, in meinen Gedanken an die Vergangenheit. Jedesmal frage ich mich wohin führt das alles? Noch kann ich halbwegs mithalten mit dem was an Änderungen im Raum steht, seien es technische Entwicklungen oder gesellschaftliche Veränderungen.

Mein Nachbar, nahe 80, ist davon abgekoppelt. Obwohl ein modern denkender Mensch und in manchen Gebieten wie Gartenbau absolut auf der Höhe, kann er am modernen Leben nicht mehr teilnehmen.

Er weiß um das Internet und saß schon mal vor einem Computer, aber der Gedanke einen zu kaufen ist Lichtjahre von ihm entfernt. Mit Graus denke ich daran was alles kommt wenn ich mal nicht mehr mithalten kann.

Wird Lebenslotse ein neuer Beruf?

Anzumerken sei, dass mein Nachbar keineswegs einen Mangel an Lebensqualität verspürt, im Gegenteil, er lebt entschleunigt, eine Qualität nach der sich heute viele sehnen.

Mein erstes mobiles Gerät

Ich bin zu einer Zeit aufgewachsen da gab es noch den Radioschrank mit einem Röhrenradio und einem Plattenspieler. Das Mediacenter, wie es Neudeutsch heißt, waren keine Elektronikbausteine in der Größe eines Smartphones, das waren Möbelstücke.

Im Alter von 12 Jahren bekam ich einen Kassettenrekorder mit einem Mikrophon. Damit setzte ich mich sich vor den Lautsprecher eines Radios und nahm Musik auf.

Eine fehlerfreie Aufnahme gab es kaum. Entweder kam ein Geschwisterteil ins Zimmer, eine Tür knallte oder ein Auto war auf der Aufnahme zu hören. Doch wen störte das, man kam damit zurecht.

Ich konnte keine Kassetten kopieren oder einzelne Musikstücke von einer Kassette auf die andere spielen. Dafür mußte man schon einen Doppelkassettenrekorder haben.

Diesen Kassettenrekorder konnte ich mitnehmen. Zum Betrieb waren zwei riesige Batterien notwendig. Um unterwegs nicht vor dem Aus zu stehen nahm man nochmal zwei Batterien zur Sicherheit mit.

Dieses Gerät war keineswegs für eine Tasche konzipiert, es war ungefähr einen halben Schuhkarton groß und wog ca. 2kg.

Die nächste Errungenschaft war ein Doppelkassettenrekorder von Universum. Er wog ca. 5kg und war größer als ein ausgewachsener Schuhkarton. Zum mobilen Betrieb benötigte er 8 große Batterien. Auch hier war es ratsam immer Ersatz dabei zu haben.

Mobil hatte damals seine Begrenzung in Batterien und der Kraft die man aufwenden konnte um die Geräte zu tragen.

Der Kopierschutz von gekauften Kassetten bestand darin dass an einer bestimmten Stelle der Kassette ein Plastikteil fehlte. Man klebte ein Stück Tesa darüber und schon konnte man kopieren. Selbstverständlich nur um eine eigene Sicherheitskopien anzulegen.

Audio – Kassetten waren anfällig und schnell fand sich das Band verwickelt im Gerät wieder. Zur Grundausstattung gehörten ein Bleistift um Kassetten wieder aufzuwickeln und Tesa um die Enden der herausgeschnittenen lädierte Stellen zusammen zu fügen.

Auf einmal glitzerte es überall

Eines Tages tauchte eine silberne Scheibe am Horizont auf, die Compact Disc, kurz CD. Damit wurde Musik digital.

Es entstand das Problem wie man beides verbinden kann, wie bringt man die Kassetten auf eine Silberscheibe? Diese Geräte die Musik von der Kassette auf eine CD spielen konnten ließen lange auf sich warten. Es war den Cracks vorbehalten dieses zu tun.

So langsam verlegte ich meine Musiksammlung auf CDs. Was blieb waren Kinderkassetten die in Dauerschleife im Autoradio abgespielt wurden. Wer kennt das nicht das „tööröööö“ oder „hex hex“.

Als dann die Musikindustrie mit Kopierschutz anfing der nicht einmal eine private Kopie erlaubte hörte ich auf CDs zu sammeln. Seit dem ist mein Musikgeschmack mehr oder weniger auch auf dem Stand von damals stehen geblieben. CD habe ich keine mehr gekauft. Keinen Cent für eine Industrie die mir die Grundrechte beschneidet.

Ich hatte zwischendurch einen tragbaren CD-Player, der Batterieverbrauch war erheblich geringer und die Geräte waren leichter. Doch zum joggen, wie so oft beworben, taugten die Teile nicht.

MP3 – Player, die nächste Innovation

Eigentlich fand ich diesen Schritt mehr als logisch und überfällig. Schon in meiner Lehre sagte ca. 1980 ein Ingenieur zu mir, dass es eines Tages möglich sein wird dass man Musik auf einer kleinen Box speichern kann und diese Musik überall abrufbar sein wird, sofern Strom und ein Lautsprecher vorhanden sind.

Musik ohne mechanische bewegliche Teile, damals erforderte das eine ziemliche Vorstellungskraft. Es war eine Zeit in der das Wort Computer eine Seltenheit war. Und wenn kannte man nur die riesigen Geräte mit riesigen Bändern die in große Metallkisten eingelegt wurden. Es war keinesfalls eine Sache für den Privathaushalt, geschweige denn mobil.

Wer hätte damals gedacht, dass diese Geräte weit mehr als nur Musik abspielen können. Geschweige denn von dem heute Verfügbarem bei Design, Touchscreens oder der Multifunktionalität.

Vermutlich hat mein Ingenieur etwas von Kane Kramer, dem eigentlichen Erfinder der Musik ohne mechanisch bewegliche Teile, gelesen. Er war der erste der diesen Weg gegangen ist und es auch zum Patent angemeldet hat.

Allerdings kannte er kein MP3 Format und die Wiedergabezeit war sehr beschränkt. Dieses Format entstand in den 80er Jahren unter maßgeblicher Beteiligung des Frauenhofer Institutes. Heute gibt es mehrere Formate die ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen sind. Besonders zu nennen ist das quelloffene Format Vorbis.

MP3 Player die Musik speichern und wiedergeben konnten traten den Siegeszug kurz vor der Jahrtausendwende an.

Kennzeichen für diese Generation waren weiße Kabel die aus Jackentaschen zum Ohr führten.

Meinen MP3 Player möchte ich nicht mehr missen, auch wenn ich ihn wenig nutze. Hauptsächlich um unterwegs Sprachen zu lernen oder aufzufrischen, oder das eine oder andere Hörbuch zu hören.

Was soll ich machen mit den alten Kassettenfund? Lege ich ihn wieder zurück als Zeitzeuge einer Technik mit der ich aufgewachsen bin? Als 1 Euro Artikel bei Ebay wäre mir das dann doch verschleudert. Vielleicht kramt das ja mal in ein paar Jahrzehnten wieder hervor und wird sich wundern was es so alles gab.

Roland Engert

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In Bayern geboren, in Ostfriesland lebend.

2 thoughts to “Vom Kassettenrecorder zum MP3 Player”

  1. Der Kassettenrekorder war eine feine Sache, doch Deine Erfahrungen damit erinnern mich an meine. Auch „beliebt“ … der Anfang fehlte, weil man es nicht versemmeln wollte, oder der Moderator hat reingequatscht. Beim MP 3 Player bin ich nicht angekommen. Keine Lust, mich da rein zu denken.

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