Der Kekswahnsinn in Lüneburg geht weiter

Heute um 9:15 geht der Prozess um Kekse aus dem Container weiter.

Wie mehrfach berichtet, will die Staatsanwaltschaft in Lüneburg unbedingt eine Verurteilung und zieht alle Register. Die Verhältnismäßigkeit scheint mir hier lange nicht mehr gegeben. Der Prozess heute hat hohe mediale Aufmerksamkeit in Form von Kamerateams und viel Presse vor Ort.

Kurz zusammen gefaßt: Karsten Hilsen hat sich abgelaufene Kekse aus einem Container einer Konditorei geholt. Man nennt das containern. Containern ist in ganz Europa mehr oder weniger zulässig und gängiges Mittel um sich mit Lebensmittel zu versorgen. Containern gehört für einen Teil der Bevölkerung zur Überleben, obwohl ja immer noch behauptet wird, es gibt keine Armut in Deutschland. Oftmals wird containern auch als Kontrapunkt zur Wegwerfmentalität gesehen und ausgeübt.

Karsten Hilsen hat sich heute in den Kommentaren in diesem Bericht geäußert.
Karsten erwartet, hält es zumindest nicht für unwahrscheinlich, dass er heute wieder verhaftet wird.

Ich hoffe, man liest ihn hier nach dem heutigen Prozesstag. Die Daumen sind jedenfalls gedrückt. 🙂

Nachtrag: FREISPRUCH! (siehe auch Kommentar). Mehr auf dem Eichhörnchenblog.

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Die unendliche Geschichte – Keksprozess in Lüneburg

Der Prozess um das containern von Keksen vor dem Landgericht Lüneburg geht weiter. Karsten Hilsen hatte im Jahre 2010 sich ein paar abgelaufene Kekse aus dem Container der Konditorei Scholze gefischt. Wir haben darüber berichtet.

Der Prozess wurde am Dienstag, den 14. Februar vertagt. Es sind nun weitere 5 Verhandlungstage angesetzt. Der nächste Prozesstag ist der 27.2.2012. Obwohl die Konditorei Scholze betont, es sei kein Schaden entstanden und sei nicht an einer Strafverfolgung interessiert, beharrt die Staatsanwaltschaft darauf, dass der Prozess fortgeführt wird. (Quelle: redglobe)
Inzwischen sollen BKA und Interpol eingeschaltet sein, die Staatsanwältin will das nicht kommentieren.

Darauf erstmal einen Kaffee und ein paar Kekse, natürlich heimlich, nicht dass mich ein Staatsanwalt dabei erwischt.

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Kekse containern – Prozess in Lüneburg

In Lüneburg steht Karsten Hilsen, nach seinem Widerspruch zu einem Urteil des Amtsgerichtes aus dem Jahre 2011, vor dem Landgericht.

Er hatte aus dem Container der Konditoreifabrik Scholze aus Hunger Kekse genommen. Der Container stand auf dem eingezäunten Grundstück der Konditorei, das Tor war offen. Da der Container auf einem privaten Grundstück stand, wird das als Hausfriedensbruch ausgelegt.

Containern, auch dumpstern genannt, umschreibt das mitnehmen weggeworfener Lebensmitteln aus Containern.
Man kennt das in Deutschland ursprünglich eher von Obdachlosen die sich etwas essbares aus den Mülleimern holen.
Wie alles in Deutschland ist auch das Besitzverhältnis von Müll geregelt. In der Regel ist der Müll und Abfall zu keiner Zeit herrenlos. Er kann immer jemanden zugeordnet werden. Selbst der Hausmüll gehört dem Verursacher. Mit dem bereit stellen zum leeren der Tonne (Müllbeutel – leider) an den Straßenrand geht der Besitz an die öffentliche Hand. Auch Müll in den Mülleimern in den Fußgängerzonen gehört nicht der Allgemeinheit im eigentlichen Sinne, sondern geht in den Besitz der öffentlichen Hand über.

In Österreich und der Schweiz ist die Situation näher am Menschen. Der Müll gilt als herrenlos und gegen Containern ist nichts einzuwenden, solange keine Schlösser aufgebrochen werden oder unerlaubt Grundstücke betreten werden.

Betrachtet man die Situation etwas globaler, so containert eine Großzahl der Menschen, beziehen viele ihre Nahrungsmittel aus dem Müll.
Während containern in einer Vielzahl von Ländern zum überleben gehört, ist containern in Deutschland auch zum Teil politisch motiviert.

Zum ersten Prozess wurden die Kekse, die Hilsen sich aneignete, beschlagnahmt.  Die Konditorei Scholz wollte die Beweismittel nach Abschluß des Prozesses nicht mehr haben und diese wanderten in den Müll. Gegen das Urteil aus dem ersten Prozess legte Staatsanwaltschaft und Hilsen Widerspruch ein. Hilsen wolle sich nicht kriminalisieren lassen. Ein Franzose, der damals mit dabei war, wurde freigesprochen.

Das Angebot der Staatanwaltschaft den Prozess vor dem Landgericht gegen Geständnis einzustellen, lehnte Hilsen ab und beantragte Pflichtverteidigung, was abgelehnt wurde. Er wurde dafür kurzerhand in polizeiliche Gewahrsam genommen wegen alter Strafzettel, die er nicht bezahlt hatte. Damals hatte Hilsen sich schon als zahlungsunfähig erklärt. Daher darf ein Gewahrsam eigentlich nicht erfolgen.

Ich bin verarmt und muß mich von Abfällen ernähren, so Hilsen. Hartz 4 habe er wegen menschenunwürdiger Behandlung nicht beantragt.

Etwas mehr Menschenverstand wäre angebracht. Während das containern von Keksen und Pfandbons bis zum letzten verfolgt werden, wird bei den echten Fällen nichts unternommen. Die Gerichte seien überlastet. Wen wundert es.

Quellen:
Süddeutsche Zeitung, Eichhörnchenblog, Redglobe,
Wikipedia zu containern, Forum über containern, dumpstern
Audio über den Fall

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