Wie viel Handy braucht das Kind?

Smartphone
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Die Frage „Wie viel Stunden sollte ein Kind maximal am Tag fernsehen?“ ist zwar immer noch aktuell, wird aber von der Frage „Wie viel Internet ist gut für mein Kind?“ langsam aber sicher abgelöst.

Beides ist Medienkonsum und beides sollte man kontrolliert angehen, was ganz sicher in den meisten Fällen Potential für Konflikte mit sich bringt. Konflikte zwischen Kinder und Eltern gibt es schon immer, nur die Themen ändern sich.

These – keinerlei Konsum

Manche kennen vielleicht Manfred Spitzer, erfolgreicher Kinderpsychiater, jüngster Professor der Psychiatrie, Autor und bekannt durch eine eigene Sendereihe „Geist und Gehirn“ auf Bayern alpha. Er ist auf seinem Gebiet eine weltweit anerkannte Größe.

Manfred Spitzer ist der Meinung, dass das Kind weder Fernseher noch Internet benötigt. Er untermauert diese Behauptung durch internationale Untersuchungen wie auch durch eigene Studien.

Im Rahmen einer Studie verteilte er in einer Schulklasse Spielekonsolen. Die eine Hälfte bekam eine Konsole, die andere Hälfte der Schulklasse hatte keine Spielekonsole zu Hause. Nach einer Weile zeigte sich, dass die Kinder mit Spielekonsole um ca. ein bis zwei Noten schlechter wurden. Experimente mit anderen Medien brachten ähnliche Ergebnisse. Besonders Jungen sind davon betroffen, Mädchen scheinen sorgsamer und selbstkontrollierter mit dem Medienzugang umzugehen.

Für mich ist die Einstellung gänzlich ohne Medien zu leben nachvollziehbar. Es gab damals kaum Fernsehen, die Fernsehanstalten hatten sowieso nur Halbtagsbetrieb. Dennoch kam ich auf die eine oder andere Stunde Fernsehen schauen per Woche.

In der heutigen Zeit scheint mir die Forderung nach „Null Konsum“ sehr gewagt. Ich glaube sogar dass dieses für die Entwicklung in ein Berufsleben hinderlich sein kann.

These – ungebremster Zugang

Die Gegenforderung zur These von Manfred Spitzer ist die Auffassung man sollte ungebremsten Zugang gewähren. Dieses wird so ähnlich in den geplanten Kinderrechten im Artikel 17 gefordert. Dort wird von dem Recht auf Zugang zu Informationen gesprochen. Es wird weder zeitlich noch inhaltlich weiter beschrieben.

Dass unkontrollierter Zugang für Kinder und Jugendliche nicht der beste Weg sein kann, erahnt man – rein vom Bauchgefühl. Das Bauchgefühl ist manchmal präziser als jede langwierige Untersuchung und Studie.

Eltern und Kinder – bewusster Umgang

Der praktikabelste Weg wird wohl zwischen den beiden Extremen zu finden sein. Null Konsum ist ein interessanter Ansatz, lässt sich aber meiner Meinung nach nicht dauerhaft durchhalten. Unkontrollierter Zugang ist fahrlässig und schädlich. Das belegen viele Studien und auch das Bauchgefühl stimmt dem zu.

Eine Umfrage von Emnid und Simyo.de ergab dass ca. 6% der Eltern kein Smartphone kaufen würden. Die überwiegende Mehrheit der Eltern findet es gut wenn Kinder mobil erreichbar sind und in Kontakt bleiben können.

Nahezu gleichauf mit dem Sicherheitsaspekt rangiert das Argument dass man Medienkompetenz erlernen müsse und betrachten daher ein Smartphone als eine sinnvolle Anschaffung.

Fazit

Ich persönlich denke dass der Nullkonsum durchaus Argumente für sich verbuchen kann. Vor allem können soziale Medien das Sozialverhalten beeinträchtigen und Depressionen befördern. In der Summe betrachte die These des Nullkonsums allerdings als schwierig in der Umsetzung.

Einen ungehinderten und unkontrollierten Zugang für Kinder und Jugendliche halte ich allerdings für weit aus schädlicher als gar kein Medienkonsum. Denn tatsächlich werden im Internet und den sozialen Medien nur bestimmte Regionen im Hirn angesprochen und lässt wichtige Teile verkümmern. Das ist als ob man beim Krafttraining nur einen Arm trainiert.

Das beste ist es sich als Elternteil die Mühe zu machen und einen sinnvollen Umgang mit dem Smartphone und den Medien zu erlernen. Neben den Medien sollte man auch andere Angebote bereit halten wie Musik oder Sport. Diese Mühe wird sich meiner Meinung nach durchaus lohnen.

Roland Engert

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In Bayern geboren, in Ostfriesland lebend.

6 thoughts to “Wie viel Handy braucht das Kind?”

  1. Ich habe schon viele Kinder im Bekanntenkreis, die im Umgang mit Smartphones, Tablet oder auch nur dem Fernseher regelrecht zu Zombies werden. Bevor man ein Teenager ist, halte ich ein Handy für Schwachsinn. Kinder geht raus und spielt Fußball!

  2. Meine Kinder haben zwar ein Smartphone, aber sie dürfen es nicht zum Spielen oder Schreiben mit Freunden über Whatsapp nutzen. Die Kinder sollen sich sozial beteiligen und nicht in der virtuellen Welt leben.

  3. Ich will anderen Eltern da in nichts reinreden aber mein kind wird zumindest die ersten jahre smartphone und internetfrei aufwachsen. Das habe ich mir geschworen

  4. Nein, davon halte ich persönlich nichts, meine Kinder haben und werden vorerst kein Handy bekommen. Im Kindergarten meiner Tochter, haben 4 jährige schon ein Smartphone und das geht gar nicht.

    Ich bin ohne Handy klar gekommen, dann werden es meine Kinder auch.

  5. Ich habe mich auch mal mit dem Thema: Handytarife für Kinder beschäftigt und mein Fazit ist, dass Kinder und Jugendliche keine teuren Handyverträge brauchen. Die Mobilfunkanbieter haben schnell erkannt, dass Kinder auch immer öfter die neuesten Smartphones und Handys haben möchten. Das Smartphone avanciert schon zu einer Art Statussymbol, dennoch sollte man die Kosten immer im Auge behalten. Empfehlenswert ist in jedem Fall ein günstiger Prepaid Tarif für Kinder, somit lernen die Kids den Umgang mit Geld und die Eltern erleben keine bösen Überraschungen in Form von Mehrkosten am Monatsende.

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