Redewendungen und Zitate genauer betrachtet #6 – Jemanden einen Korb geben

Pieter Brueghel
100 niederländische Sprichwörter in einem Bild (große Version am Ende des Artikels)

Wenn jemand einen Korb bekommt, so hat diesen auch vorher einer gegeben. Bei diesem Vorgang leidet einer und ein anderer bringt seinen Willen zum Ausdruck.

Dieser Redewendung liegt ein konkreter Brauchtum zu Grunde, sogar ein sehr verwunderlicher. Spuren dieser Redewendung lassen sich bis ins Mittelalter verfolgen und sie sprechen von der Selbstbestimmtheit der Frau, zu einer Zeit in der Gleichstellung und Gleichberechtigung samt Frauenrechtsbewegung unbekannt waren.

Lasst euch entführen in einen uralten Brauch dessen Ausläufer uns heute noch auf Schritt und Tritt begleiten.

Auf den Spuren des Korbes – das mittelalterliche fensterln

Fensterln haben die meisten schon mal gehört. Das ist vor allem eine bayrische Sitte. Man versucht mit einer Leiter in das Zimmer der heißen Liebe zu gelangen. Manchmal erwartete den kühnen Kletterer statt einer Schönheit am Fenster ein wachsamer Vater der mit einem starken Schubs an der Leiter der Kletterparty ein Ende im Misthaufen bescherte.

Statt nächtens mit einer Leiter die Angebetete zu besuchen wurde im Mittelalter gerne ein Korb als Lift genommen. Vor allem wenn man bedenkt dass ein Burgfräulein gar nicht so leicht mit einer Leiter zu erreichen ist. Wäre das so, hätte das Gebäude den Namen Burg nicht verdient.

Irgendein Burgfräulein kam auf die Idee den Boden des Korbes so zu präparieren dass er durchbricht, am besten wenn der Liebeshungrige auf halben Wege nach oben ist. Ihn dann noch hängen zu lassen war eine weitere Schmach, denn jeder konnte dann den Verschmähten sehen.

Man erahnt, dass nicht immer das Burgfräulein hinter dieser List stand. Denn trotz aller Selbstbestimmung, oberste Regel war immer noch Geld zu Geld, Land zu Land. Ein Bettelmann kam nicht mal in die Nähe eines Korbes.

Eines der ersten schriftlich fixierten Korbopfer dürfte der Zauberer Virgilius (Sage nach Vergil; 70 vor Christus bis 19 nach Christus) sein. Doch seine Rache war für die Jungfrau äußerst schamhaft.

Der Korb im Wandel

Da nicht jeder einen Turm aber durchaus eine jungfräuliche und begehrenswerte Tochter haben kann, wurde der Korb schnell zur symbolischen Handlung.

kleiner Pfeil Noch weit in die 1800er Jahre hinein gab es Landstriche in Deutschland in denen der Korb über Glück und Unglück des Herzens entschied. Derjenige der sein Herz an eine Frau verloren hat und diese heiraten wollte lies sein Heiratsansinnen durch einen Mittelsmann an den Vater der Glücklichen heran tragen. So hatte der Vater Zeit sich über den Antrag Gedanken zu machen.Wurde beschieden dass der Antragsteller nicht geeignet ist, wurde an gut sichtbarer und exponierter Stelle ein Korb aufgestellt.

kleiner Pfeil Noch kurz vor dem 1900ten Jahrhundert ist in Meyers Konversationslexikon vom  „Corbeille de mariage“ (Korb der Hochzeit, Brautgeschenk) die Rede. Der Antragsteller schenkte der Frau einen Korb mit entsprechendem Inhalt. Wurde dieser Korb zurück gesandt, so war das eine Absage an den Hochzeitsantrag.

kleiner Pfeil Weiterhin wird der Korbtanz aus dem niederdeutschen beschrieben. An einem Tanzabend sitzt das „Mägdelein“ mit einem Korb auf dem Stuhl und wartet darauf aufgefordert zu werden. Kommen gleich zwei die sie zum Tanz auffordern wollen, so gibt sie einem davon den Korb, während sie mit dem anderen tanzt.

Dieser darf übrigens den Korb wieder weiter geben, wenn er seinerseits von zwei tanzwilligen „Mägdeleins“ aufgefordert wird.

Abgeleitete und verwandte Redensarten

Der mittelalterliche Brauchtum des körbens entspringen eine ganze Reihe an Redensarten die uns täglich auf Schritt und Tritt begegnen.

kleiner PfeilZunächst ist es  „jemanden einen Korb geben oder erhalten“  selbst. Darunter versteht man die Ablehnung einer Zuneigung, der Liebe oder des Heiratsantrages.

kleiner Pfeil Weniger verbreitet, aber ganz nah am Original ist  „durch den Korb fallen“ . Diese bildhafte Redewendung erklärt sich von selbst. Der verschmähte Liebhaber blieb ja nicht nur im Korb auf halber Höhe hängen, nein, er stürzte mitunter, wegen manipulierten Korbbodens, auch in die Tiefe. Hat jemand in seinem Ansinnen keinen Erfolg, so ist er durch den Korb gefallen.

kleiner Pfeil  Jemanden hängen lassen  kommt ebenfalls von diesem Brauchtum. Man vertraut jemanden und wird dann alleine gelassen und bekommt Probleme. Hier gewinnt der Aspekt der Verantwortungslosigkeit Oberhand. Das ist aber dem Wandel der Zeit geschuldet. Jemanden im Korb hängen lassen war damals einfach üblich und sorgte eher für Schadenfreude denn für Entsetzen.

kleiner PfeilDie  bodenlose Frechheit  leitet sich ebenfalls vom Korb ab. Es ist sicherlich eine Frechheit, zumindest aus Sicht desjenigen der im Korb ohne Boden steckt oder dieser sich gerade in einzelne Bestandteile auflöst.

kleiner Pfeil  Durchfallen  ist zwar keine Redewendung, aber in diesem Wort steckt alles was die Redensart „jemanden einen Korb geben / durch einen Korb fallen“ hergibt. Durchfallen ist mit Schmach und Schande verbunden. Jemand ist in der Prüfung durchgefallen, er schafft es nicht bis nach oben, er hat den Anforderungen nicht genügt (Ein Glück dass es noch Aller guten Dinge sind drei gibt). Durchfallen im Sinne eine Prüfung nicht zu bestehen leitet sich von der Korbgeschichte ab.

Zusammen gefasst

Jemanden einen Korb geben entspringt einem konkreten Brauchtum. Die daraus entstandenen Redewendungen begleiten uns noch heute täglich.

Die modernste Form des Korbes dürfte die SMS sein. Wenn man dann noch aus einer Kontaktliste gestrichen wird, ist man gänzlich durchgefallen.

Mich persönlich erfreut diese Redewendung da sie sehr bildhaft und lebendig ist.

Hier ist das Bild der 100 niederländischen Sprichwörter von Pieter Bruegel dem Älteren (gestorben 1569). Die Sache mit dem Korb ist rechts außen zu finden. Bei näherer Betrachtung findet man viele Sprichwörter wieder, die auch im deutschen geläufig sind.

Pieter Bruegel
Auf das Bild klicken um große Version zu sehen.

Die anderen Weisheiten aus der Reihe „Weisheiten unter der Lupe“ gibt es unter dem Link Stöberkiste.

Zum Schluß und zur Spielerei noch einen Link um sinnlose Sprichwörter zu kreieren.

Roland Engert

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