Redewendungen und Zitate genauer betrachtet #5 – Das sind alte Kamellen

alte Kamellen
alte Kamellen, genau gesagt – Lutscher.

Karneval, Fasching und Fasenacht machen sich warm um in wenigen Tagen zur Hochform aufzulaufen. Ich bin kein ausgesprochener Fan dieser Tage und bleibe glücklicherweise weitgehend davon verschont.

Wer vom Karneval spricht, dem fallen neben den Büttenreden auch die Kamellen ein. So kann es ein dass bei einem Karnevalsumzug einen alte Kamellen treffen, obwohl es vielerorts eine Verordnung gibt die besagt dass man nur Kamellen werfen darf die ein aktuelles Haltbarkeitsdatum haben.

Doch mit diesen alten Bonbons, die ja durchaus noch schmecken können, hat die Redewendung „Das sind alte Kamellen“ nichts zu tun. Hier wurde ein altes niederdeutsches Wort missverstanden.

Kamelle – Kamille

Würde man  „das sind alte Kamellen“  korrekt übersetzen hieße es  „das sind alte Kamillen“ . Damit ist das Heilkraut Kamille gemeint. Alte Kamillen schmecken nicht mehr und haben auch keine Heilwirkung mehr. Sie sind wertlos, nutzlos, alt, von gestern.

Die Kamelle kommt aus dem niederdeutschen. Die Verbreitung der ollen Kamelle ist dem niederdeutschen Schriftsteller Fritz Reuter (1810 – 1874) mit seinen gleichnamigen Werken zu verdanken. So verbreitete sich die Kamelle im Sprachschatz ohne dass die meisten wußten was damit gemeint war.

Heutige Verwendung

Aus der ollen Kamelle ist nie wieder eine Kamille geworden. Aus der nichtschmeckenden alten Kamille sind alte Bonbons geworden.

Beide meinen aber das selbe. Neben der Sprachungenauigkeit ist keine Sinnentfremdung entstanden.

Man verwendet diese Redensart wenn man sagen will dass etwas veraltet ist, etwas längst bekannt ist. Das hat einen langen Bart oder das ist ein alter Hut wäre gleich anzuwenden. Es ist der Fingerzeig dass etwas wertlos ist, alt ist, nicht benötigt wird.

Das sind olle Kamellen ist die abgeschwächte Version von „Schnee von gestern“. Alte Kamellen sagt aus „das ist längst bekannt“ ohne dass man etwas schlecht machen will. Es ist eine flapsige Umschreibung von etwas längst bekannten.

Schnee von gestern hingegen wird gerne auch eingesetzt um nicht nur zu sagen dass etwas längst bekannt ist, sondern damit würdigt man auch gerne herab. Aber ich denke hier handelt es ich nur um Nuancen und persönliche Empfindungen, je nach dem in welcher Gegend man aufgewachsen ist.

Weitere Missverständnisse und Verballhornungen

Es gibt eine ganze Reihe an Redensarten die auf Sprachungenauigkeiten zurück zu führen sind, hier zwei Beispiele.

• Unter aller Kanone ist ein glänzendes Beispiel dafür. Das Wort Kanone war ursprünglich canones (lat.) und bezeichnete den Durchschnitt einer Leistung, zum Beispiel den Notendurchschnitt einer Klasse. Wenn einer unter diesem Durchschnitt lag, lag er unter der canones. Heute ist es die Kanone, gemeint ist aber im Prinzip das selbe.

• Der berühmte Kater den man nach einer durchzechten Nacht hat war niemals ein Kater, es war immer der Katarrh gemeint. Es wäre auch seltsam wenn Katzen sich an Betrunkene heften und dann irgendwann wieder wie von Zauberhand verschwinden.

Mein Abschlußwort

Eine unspektakuläre Redewendung die wenig an Deutungsraum zulässt. Das Besondere ist dass trotz einer Sprachungenauigkeit keine Umdeutung statt gefunden hat.

Ein Merksatz zum Schluß: Es macht einen gewaltigen Unterschied ob man von einer alten Kamelle nach alter oder nach neuer Bedeutung getroffen wird.

In diesem Sinne Alaaf, Helau und was man sonst noch so sagt.

(Alaaf = alles auf / Leertrinken; Helau kommt vermutlich von Halleluja)

Wer daraufhin auf die Schnelle noch eine Pappnase braucht, hier gibt es eine Bastelanleitung für rote Nasen und hier für Schaumstoffnasen.

Roland Engert

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In Bayern geboren, in Ostfriesland lebend.

5 thoughts to “Redewendungen und Zitate genauer betrachtet #5 – Das sind alte Kamellen”

  1. Ja genau, halleluja, der Fasching ist bald vorbei und dann Schnee von gestern.
    Ich erinnere mich noch sehr gut an die „alten Kamellen“ die wir beim Faschingsumzug in Landsberg zugeworfen bekommen haben …

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