Böllern – Endlosdiskussionen

Noch nie habe ich so verhärtete Diskussionen gesehen wie in diesem Jahr.

Diskussion ist im Grunde das falsche Wort, das erinnert eher an Hahnenkämpfe, an Loks die aufeinander zurasen. Es gibt kaum Raum für den Austausch an Argumenten.

Besonders beispielhaft stehen die Themen Tempo 130 und das Feuerwerk zum Jahreswechsel.

Die Argumente bei der Böllerei

Jede Seite führt Argumente an. Im Wesentlichen sind es die folgenden.

  • Tradition
  • Wirtschaft
  • ich lasse mir nichts verbieten
  • Gesundheit
  • Umweltbelastung
  • Tierleid
  • Sachschäden

Pro Böllerei – die Argumente

Die Argumente die man häufig liest wenn es darum geht die Böllerei zu verteidigen.

Tradition

“Das ist Tradition, man kann noch nicht die Tradition verbieten. Ihr seit doch Linksgrün-versifft”. Ja, tolle Argumente, oder?

Das Feuerwerk wurde von den Chinesen erfunden, von den Japanern weiter entwickelt und von den Arabern im 14. Jahrhundert nach Europa gebracht.

Das Feuerwerk war viele Jahrhunderte der obersten Schicht vorbehalten. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts konnten sich reiche Leute ein privates Feuerwerk leisten. Es dauerte dann noch viele Jahrzehnte bis es auch für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich wurde.

So richtig günstig wurde es erst in den letzten 20 – 30 Jahren. Möglich macht das die Produktion im Ausland. Ohne die billigen Arbeitskräfte wäre ein Feuerwerk um ein vielfaches teurer.

Fakt: Es ist also noch gar nicht so lange her, dass sich jeder ein Feuerwerk leisten kann. Eine besonders lange Tradition ist das nicht. Viel länger ist da die Tradition bei einem großen Feuerwerk zuzuschauen, als selbst eines zu zünden.

Wirtschaft

Die Wirtschaft wird mit böllern nicht angekurbelt. Die Steuern für die 130 Millionen, die ausgegeben werden, reichen nicht mal ansatzweise für den Schaden der angerichtet wird.

Die Schäden sind insbesondere gesundheitliche Folgeschäden die der Allgemeinheit aufgedrückt werden. Dazu kommen erhöhte Bereitschaften bei Polizei und Feuerwehr wie auch die Reinigungskosten.

Fakt: Die private Böllerei verursacht für die Allgemeinheit Kosten.

Ich lasse mir nichts verbieten

Ein typisches Argument einer zunehmend egoistisch werdenden Welt. Am lautesten sind diejenigen die die fetten Jahre miterlebt haben und nur ein nach oben kannten.

Gerade dieser Personenkreis kommt mit Einschränkungen nur schwer klar. Doch er wird es müssen, da kann er noch so jaulen.

Noch trauen sich die Politiker nicht, weil diese Angst haben sie würden Wähler verlieren. Klassische Parteien sehen sich in der Zwickmühle.

Als Hauptargument wird dann die Tradition herangezogen die es so lange auch wieder nicht gibt. Geht es aber zum Beispiel um Traditionen wie stille Feiertage und Tanzverbot geht genau dieser “Traditionalist” auf die Barrikaden.

Fakt: Daran sieht man dass es nur um den Egoismus geht.

Argumente gegen die Böllerei

Hier die wichtigsten Argumente die gegen die Böllerei sprechen, zumindest für eine Regulierung.

Gesundheit

Jährlich gibt es unzählige Verletzungen aufgrund der Böllerei. Die Notaufnahmen sind in dieser Nacht überfüllt.

Besonders Schäden am Innenohr (ca. 8000 Fälle per Jahr), Augenverletzungen bis hin zur Blindheit, abgerissene Finger und Hände und schwere Verbrennungen sind die offensichtlichen und direkten gesundheitlichen Schäden.

Dazu kommen Asthma- und Lungenbelastungen. Besonders der unter Asthma oder einer Bronchialerkrankung leidet wird ein Lied davon singen können.

Eine Folge der Atemnot sind Kreislauferkrankungen.

Fakt: Die Kosten für die gesundheitlichen Schäden zu Silvester sind hoch. Dazu kommt für viele ein lebenslanges Leiden. Bezahlen muss das die Allgemeinheit.

Umweltbelastung

Ja, das können und wollen viele nicht hören. Auf die Umwelt, die viele Jahre funktioniert hat und die man ausbeuten konnte, soll man auf einmal Rücksicht nehmen.

Ein Service der Krähe – Jammertipp zum kopieren “Das geht gar nicht, das schränkt mich ein. Ich bin Ego und will machen was ich will.”

In dieser Nacht werden 5.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Das entspricht etwa 16 Prozent der im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge eines ganzen Jahres.

Damit haben viele Städte bereits einen Tag von 35 erlaubten Tagen, an denen die Feinstaubhöchstgrenze überschritten werden darf. Kommt eine besondere Wetterlage hinzu, so kommt auch gleich der zweite und dritte Tag oben drauf.

Neben Feinstaub kommt der ganze Müll der irgendwo landet. Teilweise werden diese Plastikteile von Tieren mit Futter verwechselt.

Eine weitere, wenig berichtete Umweltbelastung ist der Inhalt. In den Raketen befindet sich genmanipulierter Raps der mit Schwarzpulver umgeben ist. Dieser landet auf Wiesen, Äckern und im Garten. Wer sich also wundert warum auf einmal irgendwo Raps wächst, einiges lässt sich auf diese Raketen zurück führen.

Fakt: Die Umweltbelastung an diesem Tag ist außerordentlich hoch.

Tierleid

Viele ziehen das ins lächerliche weil es kein echtes Argument dagegen gibt. Das Tierleid betrifft, Haustiere, Nutztiere und Wildtiere.

Haustiere kann man evtl. noch am besten schützen. Doch leider wird ja auch schon Tage vorher geböllert, so dass es hier zu unangenehmen Überraschungen kommen kann. Tage vorher gibt es hunderte entlaufene Hunde die sich vor Angst von der Leine reissen. Einige davon rennen vor lauter Angst über die Straße und werden dabei getötet.

Nutztiere stehen zu dieser Zeit gewöhnlich im Stall. Generell wird in der Nähe von Bauernhöfen auch weniger geballert. Doch auch da kommt es jedes Jahr zu Zwischenfällen.

Wildtiere sind dem ganzen hilflos ausgeliefert. Die Vögel fliehen und fliegen in der Nacht auf, Niederwild rennt in Panik in Zäune und über die Straße.

Was geht mich das Leid der Tiere an wenn es um mein Vergnügen geht, scheint das Motto vieler zu sein.

Fakt: Durch die Böllerei gibt es jedes Jahr unzählige Vorfälle. Für viele Tiere endet diese Nacht mit dem Tod.

Sachschäden

Die Versicherungen haben nach dieser Nacht alle Hände voll zu tun.

In die Luft gesprengte Briefkästen, angezündete Kleidercontainer, beschädigte Autos und Hausbrände – die Nachrichten sind voll davon. Manche finden das dann sogar noch lustig – die Alkoholbirne lässt grüßen.

Die Sachschäden, ob mutwillig oder unvermutet, gehen in die Millionenhöhe.

Fakt: Silvester ist eines der Tage mit den höchsten Sachschäden.

Meine Meinung, mein Fazit

Ich bin kein Freund der Böllerei an jeder Ecke. Ich bin auch nicht der Meinung dass jeder Feuerwerkskörper in die Hand bekommt. An diesem Tag ist viel zu viel Alkohol im Spiel.

Desweiteren bin ich kein Freund von “Ich ballere erst recht wenn jemand etwas dagegen hat.” Es wird da leider kein aufeinander zugehen geben. Die Zeiten waren vielleicht mal.

Mit Solidarität, Respekt und Anstand können viele aber nichts mehr anfangen.

Das ist auch der Weg den unsere Gesellschaft gehen wird. Das lässt sich nicht mehr umkehren, vielleicht etwas bremsen.

Aber ist es der Gesellschaft zu verdenken? Spinnen alle? Nein, das sind die Zeichen der Zeit. Es wird sich auch nicht mehr umkehren, es wird zu einer Art Crash kommen, an den Finanzmärkten und Sozial.

Ein zwingend reinigendes Gewitter. Ob das in 5 Jahren sein wird oder auch in 10 Jahren ist egal. Dann aber sind auch Diskussionen um die Böllerei egal, weil es sie nicht mehr geben wird. Auf diesen Zustand rennt unsere Gesellschaft gerade zu.

Wer mit Geld Banken rettet, einseitig den Großen die schönsten Zugeständnisse macht und zugleich die Ärmsten knebelt und die Armutsschere weiter auseinander gehen lässt, der darf sich nicht darüber wundern. Das ist das Gesetz von Aktion und Reaktion.

Deshalb sollen einige ruhig das Geld verpulvern, die anderen werden damit eventuell besseres anfangen und zum Beispiel Vorsorge betreiben.

Nachweise:

Umweltbundesamt: Wenn die Luft zum schneiden ist

Wer zahlt welche Schäden – von Test.de

Wer kommt für die Schäden auf? (Frankfurter Rundschau)

So schädlich sind Feuerwerke wirklich (buten un binnen)

Und damit ich auch intern etwas verlinkt habe, hier die bisherigen Beiträge zu Silvester. Die aber allesamt nichts mit kritischer Haltung gegenüber Feuerwerk zu tun haben, sondern eher mit Vorsätzen und dergleichen.

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